Quinoa-Versuchsanbau in Brandenburg: Erste Erkenntnisse aus Wilmersdorf
Quinoa als neue Kultur für Brandenburg?
Kann Quinoa künftig auch in Brandenburg erfolgreich angebaut werden? Dieser Frage gehen wir aktuell auf den Versuchsflächen der Lehr- und Forschungsstation der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) in Wilmersdorf nach. Gemeinsam mit Feldversuchstechniker Hans-Hagen Lutzer testen wir fünf verschiedene Quinoasorten unter regionalen Anbaubedingungen.
Bereits vor der Aussaat begann die eigentliche Versuchsarbeit. Für jede Sorte wurde zunächst das Tausendkorngewicht (TKG) bestimmt. Mithilfe eines Seed Counters wurden jeweils 1.000 Körner gezählt, gewogen und die Ergebnisse mehrfach überprüft. Auf Grundlage dieser Daten konnte anschließend die passende Saatstärke für jede Versuchsparzelle berechnet werden.
Die Aussaat erfolgte mit einer Parzellensämaschine. Anschließend wurde der Boden gewalzt, um einen guten Bodenschluss der Saatkörner sicherzustellen. Die Standortbedingungen erschienen zunächst vielversprechend: Der Boden verfügt über mehr als 40 Bodenpunkte, einen vergleichsweise geringen Lehmanteil sowie ausreichend Restfeuchte. Kurz nach der Aussaat sorgten Niederschläge für zusätzliche Feuchtigkeit, sodass bereits nach neun Tagen die ersten Quinoa-Pflanzen sichtbar wurden.
Die ersten Wochen im Feld
Zwei Wochen nach der Aussaat zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die wechselnden Witterungsbedingungen mit Niederschlägen und sonnigen Abschnitten bieten grundsätzlich gute Voraussetzungen für die Jugendentwicklung der Pflanzen. Allerdings bremsen die aktuell niedrigen Temperaturen das Wachstum der Quinoa deutlich.
Die ersten Pflanzenreihen sind inzwischen klar erkennbar. Gleichzeitig wird sichtbar, wie empfindlich die Kultur in ihrer frühen Entwicklungsphase auf Standort- und Umweltbedingungen reagiert. Bodenstruktur, Feuchtigkeit und insbesondere die Konkurrenz durch Beikräuter spielen derzeit eine entscheidende Rolle.
Eine besondere Herausforderung stellt der lehmhaltige Boden auf Teilen der Versuchsfläche dar. Nach Niederschlägen bildet sich stellenweise eine feste Bodenkruste, die den jungen Pflanzen das Durchbrechen erschwert. Zudem haben sich Ackerkratzdisteln innerhalb kurzer Zeit stark ausgebreitet und erhöhen den Konkurrenzdruck auf die Quinoa-Bestände. Um die Entwicklung der Kultur nicht zu gefährden, mussten die Flächen teilweise bereits per Hand von Unkraut befreit werden.
Im Rahmen einer ersten Bonitur wurde der Feldaufgang dokumentiert und die Entwicklung der einzelnen Sorten erfasst. Diese Daten bilden die Grundlage für spätere Vergleiche und sollen Aufschluss darüber geben, welche Sorten unter den Bedingungen Brandenburgs besonders gut geeignet sind.
Warme Tage, Blattläuse und Blüte
Die vergangenen Wochen haben den Quinoa-Beständen einiges abverlangt. Die anhaltende Hitze und der Wasserstress setzen den Pflanzen sichtbar zu. Gleichzeitig haben Blattläuse nahezu alle getesteten Quinoasorten befallen und teils deutliche Schäden verursacht.
Dennoch gibt es auch positive Entwicklungen: Inzwischen beginnen alle fünf Quinoasorten zu blühen – ein wichtiger Entwicklungsschritt im Versuchsanbau. Außerdem zeigt sich die Natur als Verbündete: Immer mehr Marienkäfer sind auf den Versuchsflächen unterwegs und tragen dazu bei, den Blattlausbefall auf natürliche Weise einzudämmen.
In den kommenden Wochen steht bereits die nächste Maßnahme an. Da die ersten Spatzen in den Beständen gesichtet wurden, werden die Versuchsflächen mit Netzen geschützt, um die sich entwickelnden Samen vor Vogelfraß zu bewahren.
Erste Erkenntnisse und Ausblick
Der Demonstrationsanbau liefert bereits jetzt wertvolle Erkenntnisse über die Chancen und Herausforderungen des Quinoaanbaus in Brandenburg. Neben Witterungsextremen, Wasserstress und Schädlingsbefall zeigt sich auch, wie wichtig standortangepasste Anbaustrategien und natürliche Gegenspieler im Pflanzenbestand sind.
Die weitere Entwicklung der Bestände wird zeigen, welche der getesteten Sorten unter den Bedingungen Brandenburgs langfristig überzeugen können. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Eignung von Quinoa als alternative Kultur und als Baustein regionaler Wertschöpfungsketten besser einschätzen zu können.
Impressionen